Tipps

Wie gut muss der Reiserücktritt begründet sein?

Bei der Buchung einer teuren Reise, kann sich der Abschluss einer Reiserücktrittsversicherung lohnen. Ab 1.000 €, so heißt es, macht eine Versicherung Sinn, die vor dem Nicht-Antritt der Reise bei unvorhergesehenen Zwischenfällen schützt. Doch auch schon bei geringeren Beträgen können Reisende ihren Urlaub versichern, die Entscheidung muss jeder für sich abwägen. Doch was passiert, wenn es wirklich dazu kommt, dass eine Reise nicht angetreten werden kann? Wie müssen Reisende vorgehen und was müssen sie beachten?

Krankheiten sind der häufigste Grund für einen Reiserücktritt

Der häufigste Grund, weshalb Reisen nicht angetreten werden können, sind Krankheiten. Diese müssen mit einem ärztlichen Attest belegt werden, das der Versicherungsgesellschaft zugeschickt wird, wenn die Versicherungsleistung beantragt wird. Entscheidend, damit die Versicherung eintritt ist, dass die Krankheit unvorhersehbar war und zur Flug- bzw. Reiseunfähigkeit führt, was ein Arzt bestätigen kann. Mit diesem Nachweis sollte es dann kein Problem sein, das Geld für die Stornierungskosten für die mitversicherten Personen zurückzubekommen.

Gleiches gilt für Unfälle. Diese passieren immer unvorhergesehen und können so schwer sein, dass die Verletzungen den Antritt der Reise unmöglich machen, was per Attest problemlos nachgewiesen werden kann.

Reiserücktrittsversicherung – welche Krankheiten werden anerkannt?

Üblicherweise werden akute Erkrankungen, medizinische Notfälle oder andere ernste Krankheiten und Lebenssituationen anerkannt.

Die häufigsten Reiserücktrittsgründe sind:
• Schwere Erkrankung
• Unfall
• Todesfall
• Schwangerschaft
• unerwarteter Verlust des Arbeitsplatzes
• Wiederholung einer Prüfung
• Schaden am Eigentum (Feuer, Erdbeben, Wasserschaden uvm.)

Im Falle einer Erkrankung oder Unfall muss der Versicherte ein Arzt aufsuchen und eine detaillierte Untersuchung durchgehen, um den sogenannten ärztlichen Attest als Nachweis zu erhalten. Die Versicherung braucht genaue Angaben zur Krankheit wie z. B. wann die Person einen Arzt aufgesucht hat und wann die Krankheit aufgetreten ist, zu welchem Zeitpunkt genau. Der Arzt muss ein Fragebogen ausfüllen, welcher dazu dient, die Krankheit weshalb die Reise nicht angetreten werden kann, möglichst genau zu erklären. Da es keine bestimmten Krankheiten gibt und jeder Anbieter andere Dienstleistungen und Erkrankungen abdeckt, kommt es immer auf die Umstände des Einzelfalles an.

Falls ein Ereignis, das Versichert ist eintritt, sollten Sie unverzüglich die Reisebuchung stornieren, um die Stornokosten möglichst gering zu halten. Je früher, desto besser.

Es lohnt sich Vorab gut und gründlich über die Dienstleistungen zu erkunden und den Versicherer zu Fragen, welche Krankheiten werden anerkannt? Außerdem sollte die Reiserücktrittsversicherung ohne Selbstbehalt abgeschlossen werden, falls im Ernstfall keine Kosten auf Sie zukommen.

Der Reiserücktritt wegen einer bisher unbekannten Schwangerschaft ist möglich

Ein Grund für den Reiserücktritt, der ebenfalls häufig genannt wird, ist eine zum Zeitpunkt der Buchung noch unbekannte Schwangerschaft. Normalerweise kann über die Schwangerschaftswoche, die ein Arzt attestiert, belegt werden, dass zum Buchungszeitpunkt noch keine Schwangerschaft vorlag. Bestand die Schwangerschaft zum Buchungszeitpunkt zwar schon, war aber noch unbekannt, müssen sich Versicherte auf Diskussionen mit der Versicherung einstellen – mit den richtigen Nachweisen vom Arzt (Erstuntersuchung, offizielle Feststellung durch einen Arzt) sollte aber auch in diesem Fall das Reisegeld von der Versicherung erstattet werden.

Ist die Schwangerschaft zum Zeitpunkt der Buchung bereits bekannt gewesen, kann sie nicht mehr als Grund für einen Reiserücktritt gelten. Nur noch Komplikationen in der Schwangerschaft gelten dann als Begründung, die einen Reiserücktritt nötig machen. Auch diese Komplikationen müssen per Attest von einem Arzt bestätigt werden.

Liegt eine bereits bekannte Schwangerschaft vor und kommt es währenddessen im Reiseland zu einer Epidemie oder Pandemie, die die Reise zu einer gefährlichen Angelegenheit für das Ungeborene macht (zum Beispiel Zika-Virus), ist die Versicherungsleistung eine Kulanzentscheidung. So haben Versicherer zum Beispiel die Möglichkeit nur einen Teil der Stornierungskosten zu übernehmen. Von dieser Möglichkeit wird in Zweifelsfällen häufig Gebrauch gemacht.

Weitere Gründe eine Reise nicht anzutreten, die der Versicherung nachgewiesen werden

Erkrankt eine mitreisende Person oder eine Person, die zum Beispiel während der Reise die Pflege der kranken Mutter übernehmen sollte, müssen die Erkrankungen dieser Personen per Attest nachgewiesen werden, damit die Versicherung zahlt.

Andere Fälle, bei denen eine Reiserücktrittsversicherung zahlt, sind Tod, eine Impfunverträglichkeit, der Verlust des Arbeitsplatzes oder der Wechsel des Arbeitsplatzes, der mit einer Urlaubssperre einhergeht. Der Tod kann per Sterbeurkunde nachgewiesen werden und um den Verlust des Arbeitsplatzes nachzuweisen hilft die schriftliche Kündigung, die der Arbeitnehmer erhalten hat. Bei einem Arbeitsplatzwechsel kann der neue Arbeitsvertrag vorgelegt werden, in dem auf die Urlaubssperre hingewiesen wird. Eine Impfunverträglichkeit kann von einem Arzt per Attest belegt werden und kann als Grund für einen Reiserücktritt gelten.

Ohne Nachweis keine Versicherungsleistung

Grundsätzlich gilt, dass ohne Nachweis keine Versicherungsleistung zu erwarten ist. Wie gut der Reiserücktritt aber begründet sein muss ist unterschiedlich. So kann es trotz eindeutigem Attest sein, dass die Versicherung noch mehr Nachweise erfordert, wie zum Beispiel ein Attest von einem weiteren Arzt. Auch kann zusätzlich zum Einreichen des neuen Arbeitsvertrags noch eine Bestätigung vom Chef nötig sein, dass während der ersten Zeit kein Urlaub genommen werden darf.

Die einzelnen Nachweise, die erbracht werden müssen, werden von der Versicherung begutachtet und auf Aussagekräftigkeit bewertet. Ist die Versicherung der Meinung, dass der erbrachte Nachweis noch nicht genügt, muss der Versicherte weitere Nachweise auftreiben. Dieses Vorgehen liegt aber im Ermessen der Versicherung und ist nur schwer vorherzusehen. Ein einmaliger und eindeutiger Nachweis ist in jedem Fall ein Muss, weitere Belege kann die Versicherung nach eigenem Ermessen einfordern, wenn sie der Meinung ist, dass die bisher eingereichten Nachweise nicht ausreichen.

Langwierige Diskussionen mit der Versicherung sind nicht unüblich

Versicherte müssen also damit rechnen, bei einem Reiserücktritt mehrere Wochen mit der Versicherung zu kommunizieren, bis sie die Stornokosten tatsächlich übernimmt. Viele Fälle mit Reiserücktrittsversicherungen sind auch schon vor Gericht gelandet, da die Versicherten geklagt haben. Wie der jeweilige Fall bewertet wird und ob die Versicherung zahlen muss, entscheidet dann das Gericht und diese Präzedenzfälle müssen dann oft für weitere Versicherungsentscheidungen herhalten.