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Reiserücktrittsversicherung Bedingungen, worauf Sie achten müssen!

Reiserücktrittsversicherungen gibt es in einer so unüberschaubaren Vielzahl, dass die Auswahl schwerfällt. Sobald Verbraucher eine Reiseseite im Internet anklicken und sich für eine bestimmte Reise interessieren, tauchen Werbebanner auf. Auch im Buchungsverlauf bieten sich verschiedene Versicherungen an und kommen manchmal sogar mit vordergründig sinnvollen Kombinationsangeboten daher.

Reisewillige sollen zur Reiserücktrittsversicherung zusätzlich noch eine Auslandsreise-Krankenversicherung oder eine Reisegepäckversicherung abschließen.  Wer hier unbedacht draufklickt, schließt unter Umständen einen Vertrag ab, den er gar nicht braucht und der viel Geld kostet. Handelt es sich um Abo-Verträge, ist der Schaden unter Umständen noch größer. Verbraucherschützer haben festgestellt, dass Versicherungen, die direkt auf diversen Buchungsportalen angeboten werden, fast nie ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis aufweisen. Im Kleingedruckten verstecken sich Hinweise zur Selbstbeteiligung, automatische Verlängerungen oder der Ausschluss vom Schlichtungsverfahren des Versicherungsombudsmanns. Das sind alles keine guten Bedingungen für den Kunden.

Kurz gesagt: Finger weg von Angeboten, die sich im Zuge von Online-Reisebuchungen quasi aufdrängen. Besser ist es, sich ein wenig Zeit zu nehmen und die Angebote von allen Seiten zu betrachten. Denn auch, wenn die jährlichen Beiträge oft moderat sind, unterscheiden sich die Bedingungen stark voneinander. Welche Versicherung die richtige ist, ist individuell und sollte zum Reiseprofil passen.

Stornokostenklausel prüfen

Vorweg sei gesagt, dass es eigentlich keine Versicherung gibt, die die kompletten Reisekosten im Falle eines Rücktritts erstattet. Allerdings übernehmen sie einen gewissen Anteil, deren Höhe in den Bedingungen steht. Meist sind es die reinen Stornokosten, die der Reiseveranstalter in Rechnung stellt. Kunden sollten deshalb die Stornobedingungen des Veranstalters kennen, denn manche Veranstalter verlangen überhaupt keine Stornogebühren. Somit wäre eine Reiserücktrittsversicherung ohnehin überflüssig. Doch das ist nicht immer der Fall, sondern stellt eher die Ausnahme dar.

Geht man davon aus, dass eine durchschnittliche Urlaubsreise pro Person rund 1000 € kostet, so lohnt sich der Abschluss einer Reiserücktrittsversicherung nur für preissensible Kunden. Sie ist immer dann sinnvoll, wenn

  • ein erhöhtes Stornierungsrisiko besteht, zum Beispiel
  • wenn die Stornokosten das Haushaltsbudget über Gebühr belasten würden.

Verbraucher sollten deshalb im Angebot der Reiserücktrittsversicherung überprüfen, welche Versicherungsfälle abgedeckt sind.

Typische Versicherungsfälle für Reiserücktrittsversicherungen

Es gibt einige Versicherungsfälle, die generell bei allen Versicherern in den Bedingungen aufgenommen sein sollten. Dazu gehören diese Fälle:

  • nicht vorhersehbare schwere Erkrankung (muss vom Arzt bestätigt werden)
  • Todesfall in der Familie
  • schwere allergische Reaktion auf erforderliche Impfungen oder defekte Prothese
  • Unfall mit schweren Verletzungen
  • Opfer einer Straftat mit schweren Folgen
  • Schwangerschaftskomplikationen
  • Vermögensschäden (zum Beispiel ein Hausbrand)
  • Zeugenvorladung vor Gericht
  • Verspätung der öffentlichen Verkehrsmittel um 2 Stunden, deshalb Flieger verpasst
  • unerwartete Kündigung bzw. Arbeitsplatzverlust.

Alle genannten Punkte müssen in der Reiserücktrittsversicherung verzeichnet sein. Stellen Verbraucher fest, dass ein Punkt fehlt, sollten Sie explizit nachfragen und den Punkt nachträglich mit aufnehmen lassen. Andernfalls sollten sie nach einer anderen Versicherung Ausschau halten.

Über die genannten Standard Versicherungsfälle hinaus gibt es zusätzliche Fälle, bei denen eine Reiserücktrittsversicherung einspringen kann. Diese werden generell nur in gesonderten Tarifen angeboten Nicht alle Sonderfälle sind für jeden Verbraucher sinnvoll, aber manche Gründe sind individuell interessant. Deshalb sollten die Bedingungen der Reiserücktrittsversicherung bei Bedarf auch auf diese Sonderfälle überprüft werden:

  • neues Jobangebot
  • Prüfung Wiederholung an Universität, Hochschule oder Schule
  • Organspende oder Gewebespende
  • Einreichung der Scheidung

Gut zu wissen: höhere Gewalt versichert niemand. Wenn Reisende also aufgrund eines Streiks nicht rechtzeitig beim Flughafen ankommen, springt keine Reiserücktrittsversicherung ein. Hier müssen sich die Versicherten an den Reiseveranstalter wenden. Dasselbe gilt auch bei Bürgerkriegen. Gerade, wenn das Auswärtige Amt bestimmte Länder explizit als gefährlich eingestuft hat, haben Versicherte keine Chance auf Kostenersatz.

Allerdings gibt es auch Ausnahmen von der Regel. Es gibt tatsächlich einzelne Versicherungen, die den Terrorschutz anbieten. In den Bedingungen steht dann, dass die Versicherung eintritt, wenn zwei Wochen vor dem geplanten Urlaub ein Anschlag am Reiseziel stattfindet. Wer häufig verreist und dabei auch vor potentiell gefährlichen Ländern kein Halt macht, der sollte eine Versicherung mit Terrorschutzklausel abschließen.

Vorher nachfragen, damit später keine Streitigkeiten entstehen

Wer die aufgelisteten Versicherungsfälle aufmerksam gelesen hat wird feststellen, dass die Gründe für einen Versicherungsfall nicht immer eindeutig definiert sind. Die Erfahrung zeigt, dass die Versicherung bestimmte Versicherungsfälle mehr oder weniger breit ausgelegt. Beispielsweise stellt sich die Frage, wann eine Krankheit schwer ist und ob sie nicht vorhersehbar gewesen ist. Gerade bei diesen sensiblen Punkten gibt es immer wieder Streit zwischen Versicherten und der Versicherung. Hier hilft nur Vertrauen in die Seriosität des Versicherers oder die direkte Nachfrage. Im Zweifel bleibt nur, eine andere Versicherung zu suchen.

Selbstbeteiligung? Nein danke!

Stehen in den Versicherungsbedingungen Hinweise zu Selbstbeteiligung, sollten Verbraucher zucken. Denn eine Selbstbeteiligung läuft dem Grundgedanken einer Reiserücktrittsversicherung komplett entgegen. Verbraucher schließen sie ja ab, weil sie die Stornokosten nicht selbst tragen wollen. Typischerweise verlangen Versicherungen eine Selbstbeteiligung in Höhe von 15-20 % des Schadens. Hier gibt es bessere Alternativen und Verbraucher sollten eine andere Versicherung wählen, wenn die Selbstbeteiligung in den Versicherungsbedingungen verankert ist.

Diese Punkte sollten außerdem in den Bedingungen der Reiserücktrittsversicherung geregelt sein

Nicht nur der Reiserücktritt sollte über die Reiserücktrittsversicherung abgedeckt sein, sondern auch der Reiseabbruch. Der Abbruch einer Reise liegt dann vor, wenn die Reise bereits begonnen wurde und aus Gründen, die während der Urlaubsreise auftreten, abgebrochen werden muss. Die Reiserücktrittsversicherung sollte dann für Kosten eintreten, die noch für die nicht genutzten, aber gebuchten Reiseleistungen anfallen würden. Das sind klassischerweise bereits gebuchte Ausflüge, Mietwagen oder Abendveranstaltungen. Ein weiterer Kostenfaktor kommt hinzu: die Reiserücktrittsversicherung sollte auch die zusätzlichen Kosten übernehmen, die für die Rückreise anfallen. Ein umfassender Schutz ist gewährleistet, wenn die Versicherung den Reiseabbruch aus folgenden Gründen abdeckt:

  • Schadensfall zu Hause am Eigentum
    Der Reiseabbruch sollte ab einem Vermögensschaden von rund 2.500 € abgedeckt sein. Je niedriger der Wert ist, desto besser für den Kunden.
  • Tod eines Angehörigen
    Wer unter die Angehörigen fällt, sollte in der Police klar definiert sein. Mindestens sollten Eltern, Geschwister, Ehepartner und Kinder inkludiert sein.
  • Schwerer Unfall eines Angehörigen
    Auch hier sollten die Versicherungsbedingungen Auskunft darüber geben, wer unter die Gruppe der Angehörigen zählt.
  • Unverträglichkeit einer Impfung und Bruch einer Prothese
    Zeigen sich die Auswirkungen einer Impfunverträglichkeit erst im Ausland und beeinträchtigen diese den Urlaubsgenuss über Gebühr, sollte die Versicherung eintreten. Ein ärztlicher Nachweis ist erforderlich. In Bezug auf die Prothese sollten Versicherte ebenfalls prüfen, was damit gemeint ist. Mindestens sollte die Zahnprothese abgedeckt sein.
  • Vermögensschaden
    Die Versicherungsbedingungen sollten in Bezug auf den Reiseabbruch genau definieren, wie hoch der Schaden am Eigentum zu Hause sein muss. Außerdem sollte die Art des Schadens genau benannt sein. Wohnungsbrände oder Sturmschäden sowie Wasserschäden sollten inkludiert sein.

Laufzeiten von Verträgen prüfen

Es gibt Verträge, die nur für eine bestimmte Reise abgeschlossen werden und solche, die zwölf Monate laufen und danach enden. Andere wiederum verlängern sich automatisch, wenn sie nicht rechtzeitig gekündigt werden. Verbraucher sollten deshalb zuerst überlegen, welche Variante sinnvoll ist, damit nicht ungewollt Kosten entstehen. Die Laufzeiten sind in den Versicherungsbedingungen hinterlegt. Wer regelmäßig reist und mehrfach im Jahr unterwegs ist, für den lohnt sich ein Jahresvertrag. Selbst, wenn eine einzelne teure große Reise auf dem Plan steht, sind Jahresverträge manchmal die günstigere Wahl. An dieser Stelle sei noch einmal auf die automatische Verlängerung hingewiesen: Wer sich nicht an die vereinbarte Kündigungsfrist hält (meist liegt sie bei 3 Monaten), kommt aus dem Vertrag erst zwölf Monate später raus. Deshalb unbedingt die Bedingungen auf die Kündigungsfrist hin prüfen.

Praxistipp: Haben Verbraucher Familie, lässt sich der Versicherungsschutz zum gleichen Preis oft auf die Familienmitglieder ausweiten. Verbraucher sollten diese Option ebenfalls überprüfen und bei Bedarf mit berücksichtigen. Der Preis ändert sich dadurch in der Regel nicht.

Ombudsmannklausel sollte vorhanden sein

Treten Streitigkeiten auf, sitzen Versicherungen oft am längeren Hebel. Wie weiter oben erwähnt, können Zweifelsfragen dann zum Tragen kommen, wenn die Versicherungsbedingungen nicht eindeutig formuliert sind. Das trifft immer wieder bei der Definition von unerwarteten, schweren Krankheiten zu. Wann ist eine Krankheit unerwartet? Und was fällt unter den Begriff „schwere Krankheit“?

Das ist erfahrungsgemäß einer der Hauptgründe, warum Versicherte und Versicherungen streiten. Eine neutrale Stelle für den Streitfall ist der Versicherungsombudsmann. Der Ombudsmann hilft im Rahmen eines kostenlosen Schlichtungsverfahrens. Seine Aufgabe besteht darin, den Sachverhalt neutral einzuschätzen und eine Empfehlung auszusprechen. Das Gute ist, dass sich die Versicherung an diese Empfehlung halten muss, soweit es um Beträge unterhalb der 10.000-Euro-Marke geht. Das ist positiv für Verbraucher, denn bei Streitigkeiten in Bezug auf den Reiserücktritt liegen die Beträge selten darüber. Wer auf Nummer Sicher gehen will, sollte darauf achten, dass in den Versicherungsbedingungen der Hinweis auf den Versicherungsombudsmann steht. Ist dieser nicht inkludiert, sollten Verbraucher weitersuchen.